Heimkinos

Reportage

Aufmacher

SALINO KINO

Freibier am Ticketschalter

von Cai Brockmann (heimkinomarkt.de)


Längst befinden wir uns im Stadtgebiet, doch die Natur blüht so üppig, als ob sie die breite Zufahrtsstraße schon bald überwuchern wollte. Bäume und Sträucher, komplette Gärten leuchten um die Wette, protzen in allen nur denkbaren Schattierungen von Frühsommergrün. Nach dem Einbiegen in die erste Seitenstraße werden manche Schatten so lang, dass es einfach auffallen muss: Grundstücksmauern und sichtdichte Hecken mit Präzisionsschnitt wachsen hier höher als noch vor ein paar Minuten. Dafür sind die Anwesen – meist nur mit langem Hals erkennbar, wenn überhaupt – flacher und raumgreifender. Davor parken schicke Cabriolets und blitzblanke Mini Coopers; lauter Viertwagen und Abiturgeschenke, die in rangierfreundlichen Abständen auf den nächsten Ausritt warten.

Wer in dieser Gegend wohnt, kennt sich mit Golfplätzen und Schutzgitterfenstern aus, weiß zuverlässiges Gartenpersonal zu schätzen und pflegt das „Sie“ unter Nachbarn. Showgrößen residieren neben altem Schwerindustrie-Adel, Freiberufler, Fondsmanager und Prokuristen führen Smalltalk durch handgeschmiedete Eisenzäune hindurch. Das Wohngebiet schmückt sich sogar hier und da mit extravaganter Architektur. Zum Beispiel mit diesem blütenweißen, ziemlich kubistischen Gebäude vor uns. Wir müssen also gleich am Ziel sein, denn in Rufnähe zum Exotenwürfel ankert die eher traditionelle Doppelstockvilla unseres heutigen Gastgebers – ein Neubau, der nicht wie ein Neubau wirkt. Zwei Tore zur linken und rechten Seite des Grundstücks leiten eine halbkreisförmige Auffahrt, die locker ohne knirschenden Kies auskommt, zum Haupthaus. Dort steht die Dame des Hauses bereits in der offenen Eingangstür und heißt uns aufs Herzlichste willkommen.

Überhaupt mag sich der Vorstandsvorsitzende eines alteingesessenen mittelständischen Industrie-Unternehmens – „die Geschäfte laufen gut“ – grundsätzlich nichts Kleinliches nachsagen lassen. Das gilt insbesondere auch für seine Hobbys. Während jedoch das Lukullische im Hause S. geradezu unübersehbar ist, kommt das Cineastische erst auf den zweiten Blick zum Vorschein. Dann aber um so selbstbewusster. Und nicht immer dort, wo es zu erwarten wäre. Die große Abzugshaube in der offenen Zwillingsküche zum Beispiel ist mit einem imposanten Flachbildschirm bestückt, gut einsehbar vom massiven Esstisch aus. Zum vollwertigen Frühstück gehört für Herrn S. nämlich auch der erste Nachrichtenüberblick. Müsli und Multimedia in Maximalqualität als Morgenmotto.

Topfgucker und Infotainer

Das plasmabestückte Esszimmer öffnet sich rücklings zu einer stilvollen, teils abgesenkten Wohnlandschaft. Helle, warme Farben, Kamin und Lederfauteuils laden zum Entspannen ein, auf Wunsch mit Kinofeeling: In einer gegenüberliegenden Ecke wartet ein wuchtiger Rückprojektions-Fernseher auf den nächsten Sendeauftrag. Und DVD- und TV-Programme wirken über den 165 Zentimeter durchmessenden 16:9-Bildschirm schon so überzeugend, dass Laien wohl kaum auf die Idee kämen, es könnte noch besser gehen. Doch Herr und Frau S. haben ja noch einen richtig dicken Kinotrumpf im Ärmel, genauer: weiter unten im Haus versteckt…

Dazu gleich mehr. Zuvor erlauben wir uns noch, den Blick durch eine große Fensterzeile über die hausbreite Terrasse und den daran anschließenden Garten schweifen zu lassen, ein Augenschmaus mit geklinkertem Gartenhäuschen und Naturteich. Und einer tollen integrierten Lichtsteuerung. Genau die ist auch fürs große Kino versprochen, also geht’s jetzt ab zur Haupttreppe, wo wir den Aufgang ins obere Stockwerk kurzerhand ignorieren. Auf halber Strecke zum Untergeschoss, in der Treppenkehre, leuchtet nämlich ein kleiner Schaukasten herauf. Darin ist der Programmhinweis eines Kinos in authentischen Lettern zu sehen, dezent begleitet von einigen Aushangfotos – ganz wie im guten alten Lichtspielhaus. Das passende Filmplakat hängt gleich daneben. Das ist aber auch schon alles, was von „Normal-null“ aus zu sehen ist. Und doch genügt es, um dem Treppenabgang mit einer gewissen Vorspannung zu folgen.

King Kong und die Cuxhaven-Connection

Exakt auf Höhe des Schaukastens ändert sich das eben noch häusliche Ambiente total. Schon der allererste Blick ins Untergeschoss genügt, um alle Wohn-, Koch- und Gartenlandschaften zu vergessen – denn nun tauchen wir in Kinoatmosphäre der absoluten Extraklasse ein.

Eine mannshohe King-Kong-Figur an der letzten Treppenstufe begrüßt die Besucher im großzügig geschnittenen Foyer: Willkommen im Reich der Illumination, im Privatpalast bewegter Bilder, im perfekt inszenierten Traum zum Schwelgen, Anfassen und Wohlfühlen. Ja, hier fällt es keineswegs schwer, das eigentliche Kino noch ein bisschen warten zu lassen, so interessant das Herzstück auch sein mag. Zum einen verwehrt eine dicke gold-rote Samtkordel stilgerecht den Zutritt (wo ist eigentlich der Kartenabreißer?), zum anderen ist das gesamte Foyer eine Schau.

SämtlicheWände sind mit maßgefertigten Holzkassetten verkleidet, darin sind wiederum beleuchtete Vitrinen eingelassen, um ausgewählte Lieblingswerke und Kino-Devotionalien hervorzuheben. In der größten Wandbucht ist zudem ein großformatiger Flachbildschirm montiert. Über das 46-Zoll-Plasmadisplay kann Herr S. zum Beispiel das aktuelle Leinwandprogramm vom Saal ins Foyer holen, der entsprechende Surroundsound quillt unaufdringlich von oben durch die gespannte Lackfoliendecke.

Individuell steuerbare Lichtauslässe in Decke und Wänden erzeugen bei Bedarf auch tageslichtähnliche Verhältnisse, eine große Lichtinsel unter der Decke fügt sich harmonisch ins Gesamtbild ein. Im hinteren Eck umfasst eine fest montierte Polsterbank einen polierten Massivholztisch (mit zartgelber Untertischbeleuchtung!) und lädt unmissverständlich zum längeren Verweilen ein. Schließlich gibt’s neben all den Lichtspielereien auch noch ganz Handfestes zu goutieren: Eine prachtvoll ausgestattete Bar offeriert gepflegte Getränke in allen nur denkbaren Variationen und Betriebszuständen – ein Dorado für nächtliche Triple Features, Partys und Fußballweltmeisterschaften! Übrigens hat sich Herr S. mit der gemütlichen Vollholzbar ein Stück Urlaub ins Haus geholt, denn in Cuxhaven, wo er regelmäßig ein paar Tage auszuspannen pflegt, erstrahlt seine Lieblingsbar in ganz ähnlichem Outfit.

Bevor wir nun ins Allerheiligste vordringen, lassen wir uns noch von einem recht unscheinbaren Gang zwischen Kinoeingang und Treppe ablenken. Er führt zu elementaren Räumlichkeiten: Austrittswillige finden rechterhand ganz entzückende „luxury toilet facilities“ in perfekter, entschieden anglophiler Vollausstattung. Nur „stilles Örtchen“ trifft die Sache nicht ganz: Das Kinoprogramm lässt sich – wenn schon, denn schon – via Bildschirm und Lautsprecher auch während privater Sitzungen weiter verfolgen. Damit dürfte das kinoeigene WC in puncto Stil und Features mühelos auch edelste Nobelherbergen übertrumpfen. Konzeption und Gestaltung dieser piekfeinen Nasszelle stammen übrigens von Frau S. und dürfen durchaus als Beitrag zur gemeinsamen Kino-Leidenschaft verstanden werden.

Ein paar Meter weiter, am Ende des Gangs, sind Technik und Medienräume untergebracht, home of hard- and software. Für die Archivierung seiner rasant wachsenden DVD-Sammlung hat Herr S. verschiebbare Vertikalelemente einbauen lassen, wie man sie auch aus Apotheken kennt. Farbcodierung und Computerprogramm helfen, die zunehmend komplexe Videothek überschaubar zu halten, auch in Hinblick auf die Scheiben, die sich Herr S. erst noch zulegen wird.

Ein paar Basisdaten gefällig, warum dieser Punkt kein Spaß ist? Die Maximalkapazität der schweren Schiebeschränke beträgt rund 10.600 DVDs, wobei sich nach nur wenigen Jahren Kinofieber bereits 3.200 Scheiben angesammelt haben. Da bleibt auf längere Sicht wohl nur die Hoffnung auf eine gewisse Selbstbeschränkung des fleißigen Archivars. Denn so ganz leicht lässt sich das Schranksystem, das bei der Installation auch den Baustatiker beschäftigte, nicht erweitern. Eigentlich ist es sogar unmöglich. Immerhin ist das hier die äußerste Ecke eines äußerst massiven Kellergeschosses einer äußerst massiven Immobilie, bei dem ein Wohntrakt schlichtweg um ein Kino herumgebaut, nein: auf ein Kino draufgesattelt wurde. Da wird nicht mal eben schnell weitergebuddelt. Also bleibt’s bei gut 10.000 Filmen und basta. Ist ja nicht soooo schlimm. Und nun würden wir doch gern unsere virtuellen Tickets einlösen. Herr S. höchstselbst lupft die Kordel vorm Eingang. „Bitte eintreten und die Sitzplatznummern beachten“, sagt er, und ich bin fast sicher, einen leicht verschmitzten Ausdruck in seinen Augen entdeckt zu haben.

Rauchverbot im Grundwasser

Wow, das soll ein Heimkino sein? Hatte schon das Superfoyer nichts, aber auch gar nichts mit irgendwelchen umgebauten Partykellern gemein, so schlägt der Hauptsaal in die gleiche professionelle Kerbe. Mindestens. Denn eigentlich ist’s schon keine Kerbe mehr, um das sich hier alles dreht, sondern im wahrsten Wortsinn ein richtig tiefes, großes Loch. Wobei der Begriff „Loch“ für diesen Palast in etwa so angemessen ist wie „Kiste“ für einen Rolls-Royce.

Noch ein bisschen üppiger als im Foyer sorgen verschiedenste Lichtquellen für augenfreundliche Verhältnisse. Und wieder fügt sich ein durchaus gewagter Epochenmix zu einem angenehmen, erstaunlich harmonischen, individuell steuerbaren Lichtensemble zusammen. Diverse Jugendstil-Wandleuchten treffen auf 30 weißblaue LED/Halogen-Downlights, feine Lichtlinien an den Stufen korrespondieren mit künstlichen Daylights. Die Krönung jedoch, zumindest für Cineasten, hängt unter der Decke und ist für die korrekte Beleuchtung der Leinwand zuständig: ein feinst kalibrierter D-ILA-Projektor von JVC, scharf und lichtstark – und so „state of the art“, dass kürzlich sogar ein ZDF-Team bei Herrn S. zu Besuch war. Nicht etwa, um eine Reportage zu drehen, sondern um eine bereits fertige Reportage endlich einmal über einen anständigen Beamer in perfekter Auflösung anzuschauen. Hallo, GEZ?

Es ist kaum zu glauben, aber nur eine Bildermappe lässt noch erahnen, welch erdreiche und nassforsche Tatsachen hier einst herrschten. Die Dokumentation zur Entstehung des Kinos – rund zwei Jahre Bauzeit! – schärft abermals den Blick. Zum Beispiel für die ohnehin beeindruckende Tatsache, dass der Fußboden im Saal ein kräftiges Gefälle besitzt, wie es die guten Kinos immer schon hatten. Vom Eingang (auf normalem Kellerniveau) bis hinunter zur Leinwand gewinnt der Stufensaal zusätzliche anderthalb Meter an Höhe. Oder Tiefe, wenn man’s genau nimmt. Das Publikum findet das natürlich prima. Garantieren die großzügigen Sitzverhältnisse doch, dass selbst ein Zweimetermensch mit Zylinder den Projektorstrahl nicht durchbrechen, geschweige denn die Hinterleute in ihrer Sicht beeinträchtigen kann.

Allerdings waren für diese Annehmlichkeit größere, gröbere bauliche Anstrengungen nötig. Der untere Teil des Saals ragt nämlich schon ins Grundwasser hinein, was zwar keine unüberwindbare, aber ziemlich kostspielige Hürde beim Erschließen darstellt. Doch Herr S. pochte, nachdem er endlich das passende Grundstück für sein Kinovorhaben gefunden hatte, auf das richtige Lichtspieltheater-Gefühl – ein ordentliches Kino muss ganz einfach großzügig sein. Vorbei ist’s mit den mageren Jahren zuvor, mit all den engagierten, letztlich aber doch unbefriedigenden Heimkinoversuchen in viel zu engen Wohnzimmern. Also einmal die volle Ladung, bitte!

Besucher werden feststellen, dass der Schritt in die gewünschte Richtung – dank großzügigem Finanzrahmen und einer Menge Wagemut – geradezu gigantisch ausgefallen ist. Manch einer wird sogar diese Feststellung noch als grobe Untertreibung betrachten. Fakt ist: Hier erstrahlt nichts weniger als ein klassischer Kinosaal im feinsten Lichterglanz, komponiert aus all den Leuchten und Lampen, LEDs und Lämpchen, bestückt mit feinstem Equipment. Und der Saal ist so großzügig ausgefallen, dass 15 ausgewachsene Kinosessel – verteilt auf drei Reihen in drei Ebenen – bequem Platz finden.

Darüber hinaus gibt’s noch ein paar legere Stehplätze hinter der letzten Sitzreihe, wo sitzmüde Besucher sich die Beine vertreten können. Die Stehplätze waren übrigens bei der extra angesetzten Premierenvorstellung für alle beteiligten Handwerker („Sagen Sie mal, Herr S., was genau wird das hier eigentlich?“) gut frequentiert, wohl auch nicht zuletzt, weil durstige Seelen auf einem gemauerten Tresen ihr frisch gezapftes Bierchen zwischenparken können. Und bis zu den Aschenbechern im Foyer ist’s ja auch nicht so weit. Denn das einzig Strenge im Hause S. ist das Rauchverbot im Kinosaal.

It’s only Rock ’n’ Roll …

Ein schwerer dunkler Vorhang verhüllt die anständig dimensionierte Leinwand, direkt davor ragt eine kleine Bühne samt Treppchen keck in den Saal, die ganz nebenbei auch den Centerlautsprecher verbirgt. Die Bühne ist groß und stabil genug, um gewisse Freizeitaktivitäten des 16-jährigen Juniors auszuhalten: Der freundliche Rasta-Grunge-Rocker darf in den vorführfreien Zeiten auf die Bühne, um dort die Felle seines Schlagzeugs zu bearbeiten und mit seinen Band-Kumpels schon mal den Live-Ernstfall zu proben.

Pegelprobleme gibt es in diesem Umfeld erwartungsgemäß nicht, das dicke Erdreich drumherum verwandelt streunende Schallwellen in ein unhörbares Nichts. Gleichwohl wird der Sohnemann zum privilegierten Proben wohl nicht allzu viel Gelegenheit haben, denn die komplette Familie S. ist schwerstens kinoinfiziert und nutzt das private Lichtspielhaus, so oft es eben geht.

Es spricht allerdings für den Haushaltsvorstand, seit frühester Jugend ein gestählter Kinoenthusiast, dass er immer noch ein marathonverdächtiges Durchhaltevermögen besitzt. An einem einzigen Wochenende schickt der Mittvierziger auch schon mal ein halbes Dutzend DVDs über die Leinwand, am liebsten im persönlichen Referenzsessel sitzend. Dabei bevorzugt Herr S. actionreiches Popcorn-Kino und sieht Bruce Willis ebenso gern wie Nullnullsieben oder Kiefer „24“ Sutherland – solange nur irgendwann das Happy End kommt.

Frau S. hingegen ist in ihrer Filmwahl abermals ausgesprochen anglophil. Sie schwärmt von hochkarätigen Jane-Austen-Verfilmungen und aufwendigen Kostümstreifen bis hin zu rustikalen Historien-Epen, schätzt aber auch typisch britische Schelmereien à la Lang lebe Ned Divine. Da mag es nicht unbedingt leichtfallen, Programmüberschneidungen zu erkennen, doch die sind, so versichert Herr S., absolut vorhanden; sonst hätte er auch das Kinoprojekt nicht so konsequent durchziehen können.

Ein Wort noch zum „Referenzsessel“: Auch wenn man auf einem der 14 anderen Sitzplätze herumlümmelt, soll das Kinovergnügen ungeschmälert bleiben. Herr S. garantiert für jeden Sitz hervorragende Sicht- und Soundverhältnisse. Davon lassen wir uns gerne überzeugen.

Der schwere Vorhang schwebt lautlos zur Seite, das Saallicht wird heruntergedimmt, die Leinwand – in genialischer Art und Weise auf verschiedene Bildformate optimierbar – zieht nunmehr alle Aufmerksamkeit auf sich, und das Publikum vergisst Popcorn, Pils und Pausengong. Denn das gestochen scharfe, dreidimensionale Bild, faszinierend wie bewegte Dias, zieht unmittelbar in den Bann.

Die Soundtechnik will da natürlich nicht hintanstehen und gibt ihr Bestes, um die sensationelle Bildqualität zu unterstützen. Und es gelingt ihr auch – fast immer. Der raumfüllende Klang trumpft mit sehr gut verständlichen Dialogen und frischem Grundcharakter auf, und bei schwerer Action bringen unsichtbare Bass-Shaker das Kinogestühl effektvoll in Wallung. Nur noch ein Quäntchen mehr Souveränität, Wucht und dynamische Attacke, und der Sound zöge mit dem fantastischen Niveau des Superbildes gleich. Insgesamt jedoch ein tolles Erlebnis für alle Sinne, ohne Wenn und Aber!

Dein Architekt, der Angsthase

Die Installation im Hause S. schlägt selbst aufwendigste Hobbykeller-Umbauten um Längen, nein, um Häuserblocks. Schon allein deswegen, weil es sich ja eben nicht um einen Um-, sondern wirklich um einen von langer Cineastenhand geplanten Neubau handelt. Übrigens: Die von Anbeginn fest umrissenen Entwürfe wurden vom zunächst bestellten Architekten gründlich versiebt. Der Mann zeigte einfach kein Gespür für die wirklich wichtigen Dinge im Leben (Kino, Party und, genau: partytaugliches Kino) und wollte die XXL-Ideen von Herrn S. auf ein völlig inakzeptables Normalmaß eindampfen.

Was auch immer das genau bedeutet haben mag, es war Herrn S. viel zu klein, viel zu verkniffen. Klar, dass Baumeister Nr. 1 in Ungnade fiel und flugs abbestellt wurde. Der nächste, diesmal zuvor sorgfältig geprüfte Kollege entpuppte sich glücklicherweise als Verbündeter im Geiste. Also realisierte Architekt Nr. 2 ohne Wimpernzucken einen insgesamt 200 Quadratmeter großen Kinokomplex in einem Privathaus und setzte sodann obendrauf, was obendrauf zu setzen war. Eine Zwillingsküche zum Beispiel. Aber das ist eine ganz andere Geschichte.

Cai Brockmann