Heimkinos

Reportage

Aufmacher

Privates Heimkino

Chrome Story

von Stefan Schickedanz (video,4/16), Bilder: heimkinomarkt.de


Weniger ist mehr, muss sich der Besitzer dieses erlesenen, aber äußerst puristischen Heimkinos gesagt haben. Sein Burmester-Piega-2.1-System verzichtet auf Beamer oder Surround-Effekte. Dafür hat es einen Edel-Plattenspieler.

Die Mission: Beschallung der gesamten ersten Etage inklusive Kochbereich und Aufgang.

Die Mission: Beschallung der gesamten ersten Etage inklusive Kochbereich und Aufgang.

Normalerweise gibt es nur zwei Arten von Heimkinos. Die einfachen müssen oder wollen mit wenig Lautsprechern auskommen. Und die aufwendigen, teuren schwimmen geradezu in Mitten von zahlreichen Speakern.

Große Glasflächen ermöglichen den Blick auf den Steigerwald und stellen den Installer vor eine anspruchsvolle Aufgabe: Der Hausherr wollte keine Bedämpfung. Deshalb wurden Anlage und Möbel zuvor am PC positioniert.

Große Glasflächen ermöglichen den Blick auf den Steigerwald und stellen den Installer vor eine anspruchsvolle Aufgabe: Der Hausherr wollte keine Bedämpfung. Deshalb wurden Anlage und Möbel zuvor am PC positioniert.

Für diese Folge von „Deutschlands schönsten Heimkinos“ stöberten wir mit unserem Kooperationspartner Heimkinomarkt.de eine besondere Rarität auf. Sie steht in der Nähe von Bamberg – in der „Botanik“ wie es Heiko Neundörfer vom HiFi Forum Baiersdorf mit fränkischer Lässigkeit augenzwinkernd zu nennen pflegt.

Der AV-Spezialist aus Nordbayern installierte einem anspruchsvollen Kunden ein 2.1-System der etwas anderen Art. Eine Burmester-Anlage mit Piega-Boxen und Subwoofer. Dieses Heimkino ist trotz seines gewaltigen Aufwands noch puristisch zu nennen. Es verzichtet auf jegliche Surround-Effekte, und seien sie virtueller Natur.

Der Anblick der Burmester-Piega-Anlage erfreut das Auge mindestens genauso wie das 4K-Bild auf dem Flatscreen.

Der Anblick der Burmester-Piega-Anlage erfreut das Auge mindestens genauso wie das 4K-Bild auf dem Flatscreen.

Projekt ohne Projektor
Es gibt auch keinen Beamer und folglich auch keine Leinwand. Ein Panasonic TX-55CXW754 – ein 55-Zoll 4K-Ultra-HD TV mit 3840 x 2160 Pixeln, ist für alle Programminhalte zuständig. Der große Flachbildschirm liefert formidable Bilder, wenn es sein muss sogar in 3D. Doch bei einem Gesamtpreis von rund 35.000 Euro handelt es sich bei diesem Stereo-Heimkino fast schon um einen Fall von Askese auf hohem Niveau.

Und die freiwillige Selbstbeschränkung geht noch weiter. Der Marketingfachmann aus dem Steigerwald hätte in seinem zweigeschossigen Haus, das er mit seiner Familie bewohnt, sicher einen eigenen Bereich fürs Heimkino reservieren können. Doch der Design-Aficionado liebt es offen und eigenwillig. Deshalb liegen in seinem nach eigenen Wünschen gebauten „umgedrehten“ Einfamilienhaus Schlafzimmer und Bad im Erdgeschoss und die riesige Wohnküche füllt den ersten Stock aus. Dort sollte das Piega-Heimkino adäquat integriert werden.

Selten kommt ein AV-System mit einem Plattenspieler - vor allem mit einem Prunkstück wie dem Zet 1 von Transrotor - daher.

Selten kommt ein AV-System mit einem Plattenspieler - vor allem mit einem Prunkstück wie dem Zet 1 von Transrotor - daher.

Hausbau und Bauhaus
Für das im Bauhaus-Stil gehaltene Ambiente gab es klare Prämissen: Alles Schöne, sprich die Burmester-Elektronik, die Piega-Boxen und der Transrotor-Plattenspieler samt Transrotor-Phono-Vorstufe, sollte sichtbar sein. Der ganze „Kleinkram“ dürfte möglichst unsichtbar bleiben.

Schattendasein für Apple
Deshalb landete etwa der Blu-ray Player Panasonic DMP-BDT465EG mit 4K Upscaling im Schrank. Nicht in irgendeinem Schrank, sondern in einer Maßanfertigung vom Schreiner, die mit dem HiFi Forum am PC penibel geplant wurde.

Der japanische Scheibendreher hat zwar mehr Rechenpower und Formatvielfalt als der CD-Spieler Burmester 001, geschweige denn der Analog-Plattenspieler Zet 1 vom deutschen Phono-Papst aus Bergisch Gladbach. Aber er kann weder Chrom- oder Aluglanz noch Acryl-Ästhetik vorweisen.

Alles Schöne, etwa der Stereo-Verstärker Burmester 082, sollte sichtbar sein.

Alles Schöne, etwa der Stereo-Verstärker Burmester 082, sollte sichtbar sein.

In diesem Heimkino, in dem bereits der Anblick des Systems Teil des Gesamterlebnisses ist, beschert ihm das ein Schattendasein. Damit befindet er sich in bester Gesellschaft, denn dem Apple TV geht es ähnlich.

Der ganze "Kleinkram" wurde wie der wenig repräsentative Panasonic-Blu-ray-Player DMP-BDT465WG oder das Apple TV verdeckt installiert.

Der ganze "Kleinkram" wurde wie der wenig repräsentative Panasonic-Blu-ray-Player DMP-BDT465WG oder das Apple TV verdeckt installiert.

Man sollte meinen, wenn sich der Installer derart austoben kann wie das HiFi Forum Baiersdorf, dann sei ein vollendetes Klangergebnis keine Kunst: ein gewaltiger Irrtum. Stichwort Glas: Der Bau bietet nicht nur einen freien Blick auf den Steigerwald, er besteht zum großen Teil aus Glas und schallharten Flächen. Damit nicht genug. Der Besitzer ist ein Purist durch und durch – sprich er wollte auf keinen Fall irgendwelche Dämmelemente oder Diffusoren in seinem feinen vier Wänden.

Das bedeutete für die Planer eine große Herausforderung, die sie aber mit langer Erfahrung und modernster Simulationstechnik lösten. Bevor irgend etwas bewegt wurde, konnten die Beteiligten am PC in der 3D-Visualisierung ein Bild vom fertigen Wohnraum-Kino machen. Die Aufstellung der Lautsprecher sowie die Art und Position der Möbel helfen, den gewünschten Effekt zu erreichen. Wo sich andere Matten oder Segel ins Zimmer hängen, erledigen hier optimal platzierte Designer-Möbel den gleichen Zweck.

Ohne den Subwoofer Piega PS2 wären die filigranen Piega Coax 30 des 2.1-Systems auf verlorenem Posten. Die Wohnküche kommt auf eine Fläche von 60 Quadratmetern.

Ohne den Subwoofer Piega PS2 wären die filigranen Piega Coax 30 des 2.1-Systems auf verlorenem Posten. Die Wohnküche kommt auf eine Fläche von 60 Quadratmetern.

Die Devise „weniger ist mehr“ galt auch bei der Konfiguration des Systems. „Der Fernseher hängt direkt am Burmester-Verstärker“, verrät Heiko Neundörfer, der das Ganze als audiophile Video-Lösung sieht. Aus klanglicher Sicht sind die S/PDIF-Eingänge natürlich optimal. So weiß Neundörfer wovon er spricht, wenn er sagt, dass so die ganze Klangperformance abgeschöpft wird.

Auf diesem Bild gibt der stolze Besitzer einen Hinweis auf seinen Musikgeschmack. Wer wollte nicht die legendäre "Made in Japan" von Deep Purple auf dem Transrotor auflegen?

Auf diesem Bild gibt der stolze Besitzer einen Hinweis auf seinen Musikgeschmack. Wer wollte nicht die legendäre "Made in Japan" von Deep Purple auf dem Transrotor auflegen?

Die Installation erledigten zwei Mitarbeiter des HiFi Forums Baiersdorf, die damit einen Tag lang beschäftigt waren. Jetzt kann die Familie in ihrem riesigen 60-Quadratmeter-Raum ihre Lieblingsprogramme mit bester Bild- und vor allem Tonqualität erleben.

Silber ist die dominierende Farbe des Systems. Sie verbindet die Elektronik und den Plattenspieler des puristischen Systems mit seinen Boxen. Weil Purismus auch bei der Einrichtung gilt, konnte das HiFi Forum Baiersdorf nicht auf Dämmelemente zurückgreifen. Dafür gibt es maßgeschneiderte Möbel.

Silber ist die dominierende Farbe des Systems. Sie verbindet die Elektronik und den Plattenspieler des puristischen Systems mit seinen Boxen. Weil Purismus auch bei der Einrichtung gilt, konnte das HiFi Forum Baiersdorf nicht auf Dämmelemente zurückgreifen. Dafür gibt es maßgeschneiderte Möbel.

Eine tragende Rolle kommt dabei dem Aktiv-Subwoofer Piega PS2 zu, denn die filigranen Säulenboxen Piega Coax 30 würden bei einem offenen Wohnbereich dieser Größe, der sich samt Aufgang über die ganze Etage erstreckt, ziemlich verhungern. Doch hier stimmt die Klangbalance bis in die untersten Oktaven, die Anlage passt akustisch wie optisch perfekt zum Raum.

So brachte Neundörfer seinen Stammkunden in drei Schritten mit dem neuen Haus auf ein Traum-Level: Die jahrelange Betreuung begann mit den Lautsprechern, dann kamen Elektronik und TV und zum Schluss der Plattenspieler und die neuen Räume – was für ein Timing.