3D-Kino
Aufbruch in die dritte Dimension
von Raphael Vogt
Dreidimensionale Bilder faszinierten Filmfans schon immer, und nun kommen sie mit Macht wieder. „Kopfschmerz-3D“ der Fünfziger war einmal – jetzt zieht perfektes Raumerlebnis im Kino und sogar im Heimkino ein. MOVIEHOME erklärt, wie das funktioniert.
Filmgeschehen zum Greifen nahe, im wahrsten Sinne des Wortes – das kennen die meisten nur aus 3D-Freizeitpark-Attraktionen, vielleicht noch aus einem IMAX-Riesenkino. Doch auch das „normale“ Kino greift nach der dritten Dimension, und selbst zu Hause können Sie das erleben. Herr T. aus Wien genießt genau das, wenn er sein Kino betritt – 3D ist seine Leidenschaft. Alle Kino- und Videotechniken, die heute wie damals dreidimensionale Bilder auf eine Leinwand zaubern, kann er nutzen und stolz auch vorführen: Filme mit farbigen Brillen wie in den 50ern und 80ern, hochmoderne Technik mit LCD-Brillen und sogar Filme mit zwei Projektoren, bei denen jeder ein Auge beschickt. Kaum ein Zuschauer kann in seinem Kino sitzen, ohne bei den 3D-Movies nach imaginären Objekten zu tasten oder sich während der sprichwörtlichen Achterbahnfahrt zu fürchten.
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Ein riesiger alter Bunker beherbergt das Explora-Museum in Frankfurt. Spielerisch und künstlerisch erfährt man hier alles über 3D-Wiedergabe (Foto: Raphael Vogt)
Räumliches Sehen ist schon etwas Tolles, versetzt es uns doch in die Lage, unsere Umwelt mit unserem dominantesten Sinn in seiner räumlichen und zeitlichen Dimension wahrzunehmen. Um zu verstehen, wie sich das ins Kino übertragen lässt, muss man verstehen, wie unser Sehsinn in Sachen 3D überhaupt arbeitet. Die Basis hierfür ist die sogenannte Triangulation. Erinnern Sie sich an den Schulunterricht? Pythagoras heißt das Stichwort. Kennt man von einem Dreieck nur wenige Parameter, lässt es sich vollständig berechnen.
Im Shop des Explora-Museums erhält der 3D-Fan Bücher, Fotografien und sogar eine große Auswahl an ViewMaster-Stereoskopen nebst Scheiben (Foto: Raphael Vogt)
Das Gehirn kennt den Abstand unserer beiden Augen und den Winkel, in dem die zwei ein Objekt betrachten. Intuitiv errechnet es aus dem Augenabstand und den beiden Winkeln die Richtung und Entfernung des betrachteten Objekts. Augen und Motiv bilden ein Dreieck. Dies ist die wichtigste und genaueste Methode, mit der unser Gehirn dreidimensional wahrnimmt, aber nicht die einzige. Wäre dies so, kämen Einäugige kaum durchs Leben. Probieren Sie mal, Wasser in ein Glas zu füllen, während Sie sich ein Auge zuhalten – das müsste klappen, ohne dass Wasser verschüttet wird. Hierbei setzt das Gehirn drei weitere Parameter zur Entfernungsberechnung ein. Zum einen nutzt es Erfahrungswerte über Schärfedifferenzen, zum anderen die Perspektive in der Abbildung des verbliebenen Auges, aber vor allem trianguliert es wieder, allerdings nicht über den Augenabstand, sondern über die Bewegung. Bewegt sich ein Objekt, etwa Ihr Arm mit der Wasserflasche, in Relation zum Glas, lässt sich aus der Position der Flasche zu zwei Zeitpunkten und dem einen Auge wieder ein Dreieck berechnen.
Brille, hier aus der DVD Spy Kids 3-D, zum Decodieren farbiger anaglyphischer Fotos und Videos mit Cyan und Rot (Foto: Raphael Vogt)
So erklärt sich auch, warum ein Foto eine gewisse Tiefe zeigen kann: Perspektive und Schärfedifferenzen bildet es noch gut ab. Schon die Perspektive, die Erfahrung und die Erinnerung, wie ein Motiv in real zu sein hat, helfen, eine räumliche Vorstellung zu erhalten. Ein Film wirkt plastischer und realistischer, weil zur Perspektive und Schärfedifferenzen nun auch Bewegung und damit zeitliche Zusammenhänge kommen und dem Auge somit bereits eine Menge räumlicher Daten bereitgestellt werden. Doch erst, wenn beide Augen ein im richtigen Abstand zueinander gefilmtes Bild getrennt voneinander erhalten, sehen wir den Film wie die Realität vollständig dreidimensional. Die Kunst des 3D-Kinos besteht also darin, jedem Auge nur die für dieses Auge passende Information zu zeigen. Über die Jahrzehnte entwickelten Ingenieure die unterschiedlichsten Möglichkeiten hierzu.
Fototüftler setzen sich mit der Problematik der dreidimensionalen Darstellung schon seit über 100 Jahren auseinander. Die älteste und bis heute beste Art und Weise, Motive dreidimensional zu reproduzieren, ist diskrete Stereoskopie, also das Fotografieren oder Filmen mit zwei Kameras, deren Objektive den gleichen Abstand zueinander besitzen – wie die Augen eines durchschnittlichen Menschen. Die Kunst besteht nun darin, dem linken Auge beim Betrachten nur das Bild der linken Kamera zu zeigen und dem rechten entsprechend.