Heimkinos

Reportage

Aufmacher

SALINO KINO

Freibier am Ticketschalter

von Cai Brockmann (heimkinomarkt.de)


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Ein paar Basisdaten gefällig, warum dieser Punkt kein Spaß ist? Die Maximalkapazität der schweren Schiebeschränke beträgt rund 10.600 DVDs, wobei sich nach nur wenigen Jahren Kinofieber bereits 3.200 Scheiben angesammelt haben. Da bleibt auf längere Sicht wohl nur die Hoffnung auf eine gewisse Selbstbeschränkung des fleißigen Archivars. Denn so ganz leicht lässt sich das Schranksystem, das bei der Installation auch den Baustatiker beschäftigte, nicht erweitern. Eigentlich ist es sogar unmöglich. Immerhin ist das hier die äußerste Ecke eines äußerst massiven Kellergeschosses einer äußerst massiven Immobilie, bei dem ein Wohntrakt schlichtweg um ein Kino herumgebaut, nein: auf ein Kino draufgesattelt wurde. Da wird nicht mal eben schnell weitergebuddelt. Also bleibt’s bei gut 10.000 Filmen und basta. Ist ja nicht soooo schlimm. Und nun würden wir doch gern unsere virtuellen Tickets einlösen. Herr S. höchstselbst lupft die Kordel vorm Eingang. „Bitte eintreten und die Sitzplatznummern beachten“, sagt er, und ich bin fast sicher, einen leicht verschmitzten Ausdruck in seinen Augen entdeckt zu haben.

Rauchverbot im Grundwasser

Wow, das soll ein Heimkino sein? Hatte schon das Superfoyer nichts, aber auch gar nichts mit irgendwelchen umgebauten Partykellern gemein, so schlägt der Hauptsaal in die gleiche professionelle Kerbe. Mindestens. Denn eigentlich ist’s schon keine Kerbe mehr, um das sich hier alles dreht, sondern im wahrsten Wortsinn ein richtig tiefes, großes Loch. Wobei der Begriff „Loch“ für diesen Palast in etwa so angemessen ist wie „Kiste“ für einen Rolls-Royce.

Noch ein bisschen üppiger als im Foyer sorgen verschiedenste Lichtquellen für augenfreundliche Verhältnisse. Und wieder fügt sich ein durchaus gewagter Epochenmix zu einem angenehmen, erstaunlich harmonischen, individuell steuerbaren Lichtensemble zusammen. Diverse Jugendstil-Wandleuchten treffen auf 30 weißblaue LED/Halogen-Downlights, feine Lichtlinien an den Stufen korrespondieren mit künstlichen Daylights. Die Krönung jedoch, zumindest für Cineasten, hängt unter der Decke und ist für die korrekte Beleuchtung der Leinwand zuständig: ein feinst kalibrierter D-ILA-Projektor von JVC, scharf und lichtstark – und so „state of the art“, dass kürzlich sogar ein ZDF-Team bei Herrn S. zu Besuch war. Nicht etwa, um eine Reportage zu drehen, sondern um eine bereits fertige Reportage endlich einmal über einen anständigen Beamer in perfekter Auflösung anzuschauen. Hallo, GEZ?

Es ist kaum zu glauben, aber nur eine Bildermappe lässt noch erahnen, welch erdreiche und nassforsche Tatsachen hier einst herrschten. Die Dokumentation zur Entstehung des Kinos – rund zwei Jahre Bauzeit! – schärft abermals den Blick. Zum Beispiel für die ohnehin beeindruckende Tatsache, dass der Fußboden im Saal ein kräftiges Gefälle besitzt, wie es die guten Kinos immer schon hatten. Vom Eingang (auf normalem Kellerniveau) bis hinunter zur Leinwand gewinnt der Stufensaal zusätzliche anderthalb Meter an Höhe. Oder Tiefe, wenn man’s genau nimmt. Das Publikum findet das natürlich prima. Garantieren die großzügigen Sitzverhältnisse doch, dass selbst ein Zweimetermensch mit Zylinder den Projektorstrahl nicht durchbrechen, geschweige denn die Hinterleute in ihrer Sicht beeinträchtigen kann.

Allerdings waren für diese Annehmlichkeit größere, gröbere bauliche Anstrengungen nötig. Der untere Teil des Saals ragt nämlich schon ins Grundwasser hinein, was zwar keine unüberwindbare, aber ziemlich kostspielige Hürde beim Erschließen darstellt. Doch Herr S. pochte, nachdem er endlich das passende Grundstück für sein Kinovorhaben gefunden hatte, auf das richtige Lichtspieltheater-Gefühl – ein ordentliches Kino muss ganz einfach großzügig sein. Vorbei ist’s mit den mageren Jahren zuvor, mit all den engagierten, letztlich aber doch unbefriedigenden Heimkinoversuchen in viel zu engen Wohnzimmern. Also einmal die volle Ladung, bitte!

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