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HOLLYWOOD at home

Die Terminatrix und der Trimmdichpfad

von Cai Brockmann (heimkinomarkt.de)


Gut ausgebaute Straßen schnüren in entspanntem Rhythmus über sanfte Wiesenhügel hinweg, durch malerisch breite Täler hindurch, an saftigen Mischwäldern vorbei, pfeilen manchmal auch hindurch. Ein Flüsschen hier, die goldgelbe Abendsonne dort – friedliches, idyllisches Niederbayern. Und Herr K., unser heutiger Gastgeber, wohnt mittendrin, direkt im Erholungsgebiet. Gleich nebenan lockt ein Wäldchen mit Trimmdichpfad. In der Nachbarschaft integrieren einige Villen den Schwung der Anhöhe, andere verbergen sich hinter mannshohen Mauern. Zum Beispiel die Villa von Familie K.

Majestätisch öffnet sich das schwere Zweiflügel-Tor, gibt die Zufahrt frei zu Säulenparcour, Portal und Dreifachgarage. Mittlerweile hat sich das Tageslicht verabschiedet, so kommt die Lichtszenerie des mediterran angehauchten Innenhofes gut zur Geltung. Der junge Herr K. – in T-Shirt, Jeans und Sneakers – öffnet die Tür und führt durchs Entrée in einen Zentralraum, ein opulentes, vieleckiges Wohnzimmer mit beachtlichem Raumvolumen. Überall elfenbeinweißes Mobiliar, Gold und Glas, blitzblanke Flächen, Skulpturen, arrangierte Dekorationen. Eine Perserkatze quert lautlos einen großen Perserteppich. Der Eindruck, sich nicht in einem Wohnhaus zu befinden, sondern mitten im Set eines großzügig budgetierten Ausstattungsfilms, wird durch eine breite, revueartige Freitreppe noch zementiert. Im Obergeschoss setzt sich die mondäne Innenarchitektur auf der Galerie und in den Verzweigungen zu anderen Gebäudeflügeln nahtlos fort. Dann öffnet Herr K. eine ganz und gar harmlos wirkende Tür …

Rosamunde vs. Freddy
In einer einzigen Sekunde, mit einem einzigen Schritt ist die Welt eine völlig andere: goodbye, Literaturverfilmung – hello, Lords der Unterwelt! Sofort haben sich die Augen an die vollkommen veränderten Lichtverhältnisse gewöhnt. Statt Blassweiß und Glanzgold dominieren Wandflächen in Anthrazit, einige davon mit coolen Klinkerplatten verblendet, ein feiner Kontrast zum hellen Holzboden. Downlights ringsherum setzen die lebhafte Klinkerstruktur eindrucksvoll in Szene. Doch nicht nur diese: Vor allem die cineastischen Schätze von Herrn K. werden bestens illuminiert. Das Heimkino-Equipment spielt hierbei erst einmal eine Art Statistenrolle, fällt erst beim dritten oder vierten Blick ins Auge.

Denn der listig verwinkelte, beinahe zweigeteilte Raum präsentiert sich in erster Linie als moderne Sammlung, als beeindruckend inszenierte, fast schon museale Ausstellung für Kinokenner; da müssen Projektor und Leinwand ein klein wenig hintanstehen. Requisiten und Devotionalien beherrschen den Raum, stehen tadellos drapiert im Rampenlicht oder locken in maßgeschneiderten Leuchtvitrinen in der Wand – eine Raumgestaltung, die jedem Besucher Respekt abringt. Rosamunde-Pilcher-Kleidchen sind hier allerdings keine zu entdecken. Dieses Refugium ist fest in den heißkalten Händen dunkler Schattenweltgestalten, etwa Freddy Krueger und Jason Voorhees, zwei der fiesesten Schlitzer des Gruselschockergenres. Denn, jawohl, der freundliche, offenherzige Herr K. ist Spezialist für Horror-Streifen.

Dabei hat es vergleichsweise moderat angefangen mit der Begeisterung für den Film – oder besser: für alles, was hinter den Masken, Figuren, Ticks und Tricks steckt. Als persönliche Initialzündung benennt Herr K. den ersten „Terminator“-Streifen, in dem ein gewisser Arnold Schwarzenegger als wortkarge Vollstreckermaschine aus der Zukunft brilliert. Seitdem hat es ihn gepackt, hat er sich – neben einer grundsoliden Ausbildung zum Versicherungskaufmann – mit stetig wachsender Begeisterung in eine ganz spezielle Sammlerszene gestürzt. Herr K. gehört längst zu etwa 200 bis 300 Leuten weltweit, die eine „Sammler-Community“ bilden, in der man sich nicht nur untereinander kennt, sondern auch einen durchaus freundschaftlichen Umgangston pflegt, sich gegenseitig hilft und weiterempfiehlt. Das zahlt sich mittlerweile mehr und mehr aus: Derzeit ist Herr K. dabei, seine ohnehin arbeits- und zeitaufwändige Horror-Passion in einen Vollzeitjob münden zu lassen. Die Erfolge auf (semi-)privater Ebene sind einfach zu ermutigend, um die Begeisterung nicht auch professionell zu nutzen.

Leder, Licht und Latexmasken
Die Ergebnisse aus persönlichem Engagement und Sammlernetzwerk können sich nicht nur grundsätzlich sehen lassen – Herr K. zeigt sie auch formvollendet her. Direkt gegenüber der harmlosen Eingangstür heischt ein scharfes Lederkostüm um Aufmerksamkeit. Es ist ziemlich dunkelrot und ziemlich sexy: Die Terminatrix (aus „Terminator 3: Rebellion der Maschinen“) empfängt ihre Besucher in Lebensgröße. Nun ja, fast lebensgroß. Die maßgeschneiderte Lederhaut umhüllt einen durchsichtigen Torso, steht also ohne Kopf da. Nein, wägt Herr K. ab, übliche Schaufensterpuppen kämen für seine speziellen Zwecke nicht in Frage; das habe er natürlich längst ausprobiert und schnell abgehakt. Ein menschliches Gesicht, und sei es noch so dezent, lenke nur vom eigentlichen Objekt ab.

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