Heimkinos

Reportage

Aufmacher

Blue Zone

The Blue Zone

von Cai Brockmann (IMAGE Home Entertainment)


Das passiert mir nicht oft, wirklich nicht. Aber hier und jetzt, mitten in Hessen und am hellichten Tag, durchflutet es mich: das seltene Gefühl, gut rasiert zu sein. Mich beruhigt dieses Gefühl in genau dem Moment, als wir unsere heutige Zieladresse erblicken. Denn: Inmitten zahlloser Ein- und Kleinfamilienhäuser sticht dieses Anwesen doch ziemlich deutlich hervor. Die großzügig geschnittene, stilsicher inszenierte Villa in Weiß wirkt in seinem Umfeld aus bescheidenen Wirtschaftswunder-Bauten doppelt so groß und elegant, wie sie ohnehin schon ist. Statt Spitzdach, Jägerzaun und Hutzelsträuchern gibt’s hier ein flaches, helles Begrenzungsmäuerchen, einen Doppelparkplatz vor der XL-Garage und – einen Hausherrn, der mich überrascht.

Herr W. ist nämlich überraschend jung. Und, wenn ich das mal expertenmäßig feststellen darf, überraschend unrasiert. Kein Vergleich zu meinem heutigen Auftritt. Unkompliziert und ohne Umschweife geht’s hinein ins Villavergnügen, das hier in Form eines unheimlich heimlichen Heimkinos auf uns warten soll. Heimlich deswegen, weil außer eingeweihten Freunden niemand etwas ahnt vom Entertainment-Palast im Keller.

Zunächst heißt’s erst mal: „Willkommen zu Hause“. Unmittelbar hinter Eingangstür und Vorraum entschwebt eine S-förmig geschwungene Treppe ins Obergeschoss. Links und rechts davon verliert sich der Blick in einer gefliesten, säulenbegrenzten Freifläche, die mein Junior sofort zur Bobbycar-Rennstrecke erklären würde. Eine Art Atrium, dieser Zentraltrakt. Hell und angenehm südländisch wirkt die Farbkomposition aus Weiß und warmen Brauntönen. Mediterranes Flair allüberall, hier aber in fast stonehengesker Bauqualität realisiert.

„Bitte mal hierher, die Herren.“ Herr W. geht in den Zentraltrakt voraus und biegt dann linkerhand in das, nun ja, Wohnzimmer ab. Wusste ich’s doch: Irgendwo müssen ja auch ein paar Möbel untergebracht sein. In dieser halb offenen Wohnecke, geschätzte 25 Quadratmeter groß, verteilen sich Couch, Tisch und Schrankwand, dazu ein 16:9-TV, zwei superflache Panasonic-Komponenten und fünf kompakte Canton-Lautsprecher. Der Subwoofer beackert rücklings die Couchecke.

Das berühmte HB-Männchen aus den 70ern dreht auf DVD gerade mal wieder durch und geht im 20-Sekunden-Takt in die Luft. Der Sohn von Herrn W., vier Jahre alt, lugt kurz aus ziemlicher Ferne (= Küche) zu uns rüber, verschwindet jedoch, als sein Daddy die Eagles zum Konzert ins Wohnzimmer einlädt.

Das kleine, feine Surroundset klingt im offenen Raum-Arrangement überraschend vollmundig und sauber. Gut so: Freunde und Nachbarn werden hier – und das auch nur bei Interesse – sanft, aber nachhaltig ans Thema Heimkino herangeführt. Doch selbst wenn die Begeisterung dann Wogen schlägt, so Herr W., sei es keineswegs selbstverständlich, dass man sich anschließend in den Keller begebe.

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