Heimkinos

Reportage

Aufmacher

Captain E.

Club der winterharten Palmen

von Cai Brockmann (heimkinomarkt.de)


Der Mann besitzt eine unglaubliche Begeisterungsfähigkeit. Und eine tiefe Abneigung gegen halbe Sachen. Also ist Herr E. von feinstem Highend umgeben, wohin man auch schaut. Oder auch nicht schaut. Derzeit schauen wir, Herr E. und ich, und zwar in einen prachtvollen Garten. Herr E. erklärt: links japanischer Stil, rechts eher brasilianisch-tropisch, zwischendrin ein schmaler Treppenabgang, hinein in die „hängenden Gärten“ mit Zwischendeck-Oase. Am unteren Ende des Hanggrundstücks wächst „Power-Bambus“, dessen lateinische Bezeichnung ich sofort wieder vergesse. Als Grünzeugbanause kann ich mir gerade noch merken, dass die mannshohen Gewächse schon bald auf zwölf Meter aufschießen werden. Etwas weiter gedeiht die Minze. Was Herrn E. erfreut, denn ohne frische Minze kein Mojito, sein Lieblingscocktail.

Zum Finale des Rundgangs landen wir wieder bei der japanischen Faserbanane, dem stolzen Blickfang auf dem Rasen. Diese Palme, wie alle anderen hier auch, kommt mit dem zentraleuropäischen Klima erstaunlich gut zurecht. Herr E. hat sich vor der Gartenumgestaltung ins Thema eingearbeitet und ausschließlich winterfeste Palmen gepflanzt. Bis minus 10° C halten alle durch, ganz harte Exemplare finden sogar minus 17° C noch okay. Und selbst bei einem superfrostigen Polareinbruch droht ihnen kein Exitus. Denn was hält Herr E. für seine Schätze parat? Richtig: eine Palmenheizung …

Vielleicht ist es ganz gut, dass die eher bürgerliche Nachbarschaft nicht auf diese Idylle schauen und neidisch werden kann. Eine dichte Thujahecke, dreieinhalb Meter hoch, schützt vor unerwünschten Einblicken. So bleibt den ahnungslosen Nachbarn auch verborgen, dass Herr E. noch weit mehr Hobbys pflegt, als sich „nur“ Kleinjapan und Bonsaibrasilien in den Garten zu holen. Der sportlich-drahtige Diplom-Informatiker, spürbar geprägt von vier Jahren USA, begeistert sich auch für Mountainbiking, Speedneedle- und Kite-Surfing, Wake- und Snowboarding, Videogaming, Gardening, Computing, Fitness, Wellness und Home Theater. Dabei bleibt es keineswegs bei trockener Theorie: Auch die Hardware ist vorhanden, in wettbewerbsfähiger Highend-Qualität, „sonst könnte ich’s ja gleich sein lassen!“

Dazu passt, dass sich heute auch die Spätherbstsonne in voller Pracht zeigt. Also schauen wir noch einmal – diesesmal über die Privattropen hinweg, hinein ins Tal einer fränkischen Metropolregion. In diesem Ambiente kann man wirklich vergessen, dass man sich in Zentraleuropa befindet. Herr E. besteht darauf, dass wir später unbedingt noch einmal hierher zurückkommen müssen. Im Dunkeln gebe der Garten weitere Geheimnisse in puncto Licht, Sound und Wellness preis – all inclusive, sozusagen. Mit diesen Aussichten geht’s zurück ins Haus. Zurück in die großzügig umgebaute, gradlinig gestaltete Sechzigerjahre-Villa mit dem extra halligen Eingangsbereich.

Maxi-Menü Samba
Durch eine gläserne Tür gelangen wir in die helle, durchgestylte Küche. Alter dunkler Balkenbestand trifft auf reichlich Blauglas und noch mehr Edelstahl. Eigentlich ist nur eine harmlose Tasse Kaffee geplant. Doch Herr E., der technik-affine Enddreißiger, nimmt mich freundlich ins kulinarische Kreuzverhör. Welche der drei exquisiten Bohnensorten darf’s denn sein? Und wie stark? Wann wie viel von welchem Zucker, wenn überhaupt? Welche Milch oder Sahne? Welches Wasser als Kaffeebasis, welches im Begleitglas? Mit oder ohne Zisch? Wie kalt? Oder vielleicht doch lieber einen Espresso? Alles kein Problem.

Nach einem maßgeschneiderten Kaffee in H2O-Begleitung wollen wir das gesamte Haus erkunden – sozusagen als 20-gängige Vorspeise. Als Hauptgang soll dann das Heimkino serviert werden, und zum Dessert gibt’s den Nachthimmel. Ein üppiges Mahl: In der komplett umgebauten Villa, Baujahr 1963, hat Herr E. – zusammen mit seinem tatkräftigen Bruder, ein „begnadeter Handwerker“ – rund acht Kilometer Kommunikationskabel und jede Menge Haute-Couture-Entertainment installiert.

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